Photovoltaikanlagen im Aufwind

Photovoltaik

11. Januar 2012

© Martin Vonka - Fotolia.com

Die zu erwartende Förderkürzung um 15 Prozent im Januar 2012 hat den Ausbau von Solarstromanlagen im Dezember 2011 entscheidend angekurbelt. Doch der Schein trügt. Durch die frühzeitige Erreichung von Fördergrenzen greifen die Richtlinien des EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) auch entsprechend früher. Sofern der Zuwachs von Photovoltaikanlagen stabil bleibt, ist bereits im Juli 2012 mit einem weiteren Rückgang der Förderung um 15 Prozent zu rechnen.

Der Zuwachs hat viele Seiten

Dass die Zuwachsraten so erfreulich hoch sind, hat vielschichtige Gründe. Zuallererst ist das Umweltbewusstsein der Bundesbürger nach Fokushima entscheidend gestiegen. In kaum einem anderen Land wird der geplante Ausstieg aus der Atomenergie so ernst genommen wie in Deutschland. Das schlägt sich maßgeblich in der geplanten Stromversorgung von privaten Baumaßnahmen nieder. Darüber hinaus bleibt der Einbau einer Photovoltaikanlage trotz sinkender Förderbeiträge günstig. Chinesische Anbieter überschwemmen seit ende letzten Jahres den deutschen Markt mit Billigprodukten, mit denen deutsche Hersteller nicht konkurrieren können. Der ehemalige Marktführer Solon musste bereits Insolvenz anmelden. Zwar hat sich inzwischen ein neuer Investor gefunden, dennoch ist mit weiter fallenden Kursen zu rechnen. Die Einbußen in der Solarbranche der letzten Monate bilden auf dem Technologiesektor die negative Spitze.

Politische Weichenstellung

Der anhaltende Boom des Solarstromzuwachses lässt aus den Reihen der Bundesregierung die Forderung nach weiteren Einschnitten auf dem Solarstromsektor laut werden. Philipp Rösler (FDP) und Norbert Röttgen (CDU) machen sich für weitere Kürzungen stark. Bis Ende Januar soll Bundesumweltminister Röttgen ein Konzept ausarbeiten, das ein mögliches weiteres Vorgehen vorstellt. Verbraucherschützer kritisieren die drohende Kehrtwende der politischen Spitze in der Solarstrompolitik. Die Verbraucher sind verunsichert und potentielle Investoren auf dem alternativen Energiesektor treten von ihren Vorhaben zurück. Greenpeace sieht in dem Vorgehen der Bundesregierung gar eine vorsätzliche Zerschlagung des Solarstrom-Marktes, um dem Ausbau von Kohlekraftwerken Vorschub zu leisten.

Solarstrom als Motor der Energiewende

Im Dezember 2011 wurden so viele neue Solarstromanlagen in Bauvorhaben integriert, wie die Bundesnetzagentur nie zuvor verzeichnen konnte. Nur wenn die deutschen Bauherren weiterhin in ihrem Umweltbewusstsein unterstützt und finanziell gefördert werden, kann diese Entwicklung stabil bleiben. Das hätte zur Folge, dass bereits im Jahr 2015 der für 2022 angestrebte Anteil an Solarenergie erreicht würde. Schon in diesem Jahr kann der Solarstromanteil am gesamten Energieverbrauch auf vier Prozent ansteigen. Und im Jahr 2020 läge er bereits bei zehn Prozent. Das Potential, den Solarstrom zu einem entscheidenden Motor der Energiewende zu machen, haben die deutschen Bauherren allemal. Die politischen Weichen jedoch müssen an höherer Stelle gestellt werden.

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